„Bis 2025 wollen wir mindestens 80 Prozent der flexiblen Verpackungen recyclen“

Im Dialog mit Guido Aufdemkamp, Executive Director von FPE

Die Hersteller von flexiblen Verpackungen stehen seit langem in vorderster Reihe, wenn es darum geht, eine nachhaltige Entwicklung zu begleiten. Flexible Verpackungen bestehen häufig aus Kunststoffen und haben eher geringe Verwertungsraten. Das ist der Nährboden für eine Menge Vorurteile, wobei die Rolle in der Vermeidung von Verpackungsabfall hingegen erst auf den zweiten Blick sichtbar wird. Es ist deshalb wichtig, deutlich zu machen, dass flexible Verpackungen längst eine Schlüsselrolle in Fragen der Nachhaltigkeit spielen und weiter verbessert werden.

Im Sommer 2020 haben die Mitglieder von Flexible Packaging Europe (FPE) deshalb eine Nachhaltigkeitsvision verabschiedet.

Die Vision bekräftigt die gemeinsame Position zur Kreislaufwirtschaft und zeigt die ökologischen und sozialen Vorteile flexibler Verpackungen auf. Zudem macht sie die Anstrengungen der Industrie verständlich, auftretende Probleme zu minimieren.

Mit Guido Aufdemkamp, Executive Director von FPE, sprechen wir darüber, warum sich flexible Verpackungen positiv auf die Abmilderung der globalen Erwärmung auswirken.

Herr Aufdemkamp, was sind denn überhaupt flexible Verpackungen? Wodurch zeichnen sie sich aus?

Flexible Verpackungen zeichnen sich besonders durch ihren geringen Materialeinsatz aus. Sie minimieren Verpackungsmaterial durch die clevere Kombination von Materialien – Kunststoff, Aluminium und Papier. Diese Materialien werden jeweils so zusammengestellt, dass ein optimales Ganzes entsteht, abgestimmt auf ein Produkt. Flexible Verpackungen sind sehr dünn, leicht und machen weniger als acht Prozent des Gewichts aller Primärverpackungen aus.

Flexible Packaging Europe Fact Sheet

Denken Sie beispielsweise an Sauerkraut: Der gleiche Inhalt wird in einer Konservendose mit etwa 70 Gramm oder in einem Verbundbeutel mit nur 10 Gramm verpackt. Wie alle Verpackungen sind auch flexible Verpackungen kein Selbstzweck. Sie dienen in erster Linie dem Produktschutz, zusätzlich haben sie zudem eine Aufbewahrungs- und Präsentationsfunktion.

Sie haben das Beispiel Sauerkraut bereits genannt. Wo werden flexible Verpackungen denn hauptsächlich eingesetzt?

In Europa wird fast die Hälfte aller Lebensmittel in flexiblen Verpackungen verkauft. Dazu gehören verschiedene Arten von Beuteln, beispielsweise für Suppen, Chips, Obstpürees, Tierfutter und Getränke. Aber auch Joghurt- und Margarinedeckel, Blister für Medikamente, Flow-Wraps für Schokoriegel und Kekse sowie Einwickler für Butter, Käse oder Schokoweihnachtsmänner. Die Liste könnte ich noch endlos ergänzen.

Verpackungen Set

Die optimale Kombination der Materialien bei flexiblen Verpackungen bietet eine Menge Vorzüge. Lebensmittel mögen grundsätzlich keinen Sauerstoff und kein Licht. Der Joghurtbecher lässt zwar ein wenig Licht durch, der Deckel aber nicht, denn in der gesamten Lieferkette kommt das Licht meist von oben. Ein anderes Beispiel ist die Verpackung von Hühnchen in Tiernahrung. Weil die Fette darin sehr aggressiv sind, müssen die Materialien besonders widerstandsfähig sein. Auch das lässt sich mit flexiblen Verpackungen lösen.

Trotz dieser Vorzüge kämpfen flexible Verpackungen, die hauptsächlich aus Kunststoffen bestehen, gegen eine Menge Vorurteile. Um hier aufzuklären, haben die Mitglieder von FPE einstimmig die Nachhaltigkeits-Vision beschlossen. Was sind die konkreten Ziele dieser Vereinbarung?

Die Industrie ist sich ihrer Verantwortung bewusst, den Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützen. Unsere neue Nachhaltigkeitsvision erklärt die ökologischen und sozialen Vorteile flexibler Verpackungen und die Anstrengungen der Industrie, auftretende Probleme und den ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Zudem möchte die Industrie flexible Verpackungen kreislaufwirksam gestalten und zeigt Null-Toleranz gegenüber Vermüllung und Verschmutzung der Umwelt. Durch Zusammenarbeit wollen wir die Fortschritte beschleunigen.

Was wir mit flexiblen Verpackungen bewegen können, belegt zudem eine neue Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung – kurz IFEU. Sie zeigt wiederholt, dass flexible Verpackungen positive Auswirkungen auf die globale Erwärmung haben können. Denn aufgrund eines geringeren Materialeinsatzes pro Verpackung lässt sich enorm viel Verpackungsmaterial vermeiden. Das Ergebnis ist jedoch auch ein Beleg dafür, dass der alleinige Fokus auf Recyclingraten sogar kontraproduktiv sein kann.

3D Tomato Soup Packet Isolated On White

Können Sie uns das erläutern?

Flexible Verpackungen haben ein geringes Gewicht. Das ist für die Recyclingwirtschaft eine Herausforderung, weil das eher ein Gewichts- und Volumengeschäft ist. Die Studie zeigt, dass eine vollständige Substitution von flexiblen durch starre Verpackungen bei den so genannten „Fast Moving Consumer Goods“ ohne Getränke sehr hohe Recyclingraten ermöglicht . Blickt man nur auf diesen Wert, könnte man ihn so einfach steigern.

Würden umgekehrt jedoch nur flexible Verpackungen eingesetzt, die zwar deutlich geringere Recyclingquoten haben, aber mit minimalem Materialeinsatz auskommen, ließe sich die Verpackungsmenge für die betreffenden Produkte in der gesamten EU um 70 Prozent verringern. Das entspricht jährlich 21 Millionen Tonnen Verpackungsmaterial, die dann auch nicht mehr gesammelt, sortiert und recycelt werden müssten.

Neben dem reinen Gewichtskonzept wurde in der IFEU-Studie auch ein ganzheitlicher ökobilanzieller Ansatz untersucht, der den gesamten Lebenszyklus der Verpackung berücksichtigt – von der Herstellung über die Nutzung bis hin zur Verwertung. Dabei sind die Emissionen von Treibhausgasen, Wasserverbrauch und die Nutzung nicht erneuerbarer Ressourcen eingeflossen. Das Ergebnis spricht klar für flexible Verpackungen: Würden nur noch flexible Verpackungen eingesetzt, würde der CO2-Fußabdruck um mehr als ein Drittel sinken. Das entspricht 26 Millionen Tonnen Treibhausgasen. Schwerere, starre Verpackungen hingegen erhöhen den CO2-Ausstoß.

FPE Ifeu Studie GWP Scenarios

Woran liegt das?

Bei dieser Berechnung wird sowohl das Materialgewicht als auch der Einsatz über die gesamte Lebensdauer hinweg berücksichtigt. Darüber hinaus verursacht auch das Recycling selbst Emissionen. Es ist immer wichtig, das Produkt im gesamten zu betrachten – und dazu gehören auch Aspekte wie das Wegwerfen von Lebensmitteln. Denn tatsächlich werden weltweit ein Drittel aller Lebensmittel weggeworfen. Die Verpackung selbst macht hier in der Regel nur einen Anteil von weniger als zehn Prozent aus. Sie schützt aber vor dem Verderb des Produktes, was ja oftmals der Grund für das Wegwerfen ist.

FPE Ifeu Studie FMCG Pack Waste EU DE

Kann Verpackung noch besser eingesetzt werden, um Wegwerfen und Müll zu reduzieren?

Der Lebensmittelverderb lässt sich reduzieren, wenn mehr Portionsverpackungen genutzt werden. Nachfüllbeutel für Flüssigkeitsseifen ermöglichen es, Nachfüllsysteme mit starren Behältern zu nutzen, nur um einige Beispiele zu nennen. Generell müssen wir aber gemeinsam daran arbeiten, den Materialeinsatz zu optimieren. Zudem ist es wichtig, die Kreislaufwirtschaft zu intensivieren, vor allem Länder in Süd- und Osteuropa. Wir – und da spreche ich von der gesamten Wertschöpfungskette und allen globalen Markenartiklern, die in CEFLEX organisiert sind – haben die Vision, dass in Europa bis 2025 mindestens 80 Prozent der flexiblen Verpackungen gesammelt, sortiert und verwertet werden.

Wir danken für das Gespräch.

GuidoAufdemkamp

Guido Aufdemkamp, Flexible Packaging Europe

Guido Aufdemkamp ist Executive Director von Flexible Packaging Europe (FPE). Der Diplom-Volkswirt ist seit 2003 in deutschen und europäischen Verbänden für flexible Verpackungen sowie Aluminiumfolien und -schraubverschlüsse tätig. Seine Kerntätigkeit ist die Vertretung der europäischen Hersteller von flexiblen Verpackungen auf europäischer und internationaler Ebene. Insgesamt befasst sich FPE mit einer Vielzahl von Fragen, die für die Branche der flexiblen Verpackungen von wachsender Bedeutung sind, insbesondere Lebensmittelkontakt, Nachhaltigkeit und Umweltfragen.

Die Mitgliedsunternehmen von Flexible Packaging Europe (FPE) stellen das gesamte Spektrum flexibler Verpackungen her. FPE wird von mehr als 80 kleinen und mittleren Firmen sowie großen europäischen Herstellern flexibler Verpackungen aus unterschiedlichsten Materialien getragen. Die Mitgliedsfirmen vereinen mehr als 85 Prozent des europäischen Umsatzes an flexiblen Verpackungen auf sich.

In Deutschland ist FPE gemeinsam mit der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V. Träger des Forums Flexible Verpackungen, dass die Interessen der Hersteller von flexiblen Verpackungen im deutschsprachigen Raum vertritt.